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Gepostet von am 26. September 2015 in Allgemein

Weit gereist

Die Demokratiekonferenz kennt keine Grenzen – selbst Singapur ist vertreten

 

Bonn, München oder Belgrad. Nicht für alle Teilnehmer ist die  4. Internationale Demokratiekonferenz in Leipzig ein Heimspiel – schließlich sind viele der vierhundert Teilnehmer auch mit der Erwartung internationaler Begegnungen  in die Sächsische Landeshauptstadt gereist.
Eine Teilnehmerin stellt allerdings alle anderen Jungdemokraten in Sachen Anreise in den Schatten – Cecilia.
10.000 Kilometer hat die fünfzehnjährige Schülerin zurückgelegt und ist pünktlich zum Debattieren aus dem Inselstaat Singapur eingeflogen.

Wache Augen, keine Spur von Müdigkeit. Der Jetlag scheint Cecilia nicht umgeworfen zu haben – trotz 16 Stunden Flugzeit über sechs Zeitzonen hinweg. „Direkt sind wir nicht geflogen. Einen Zwischenhalt hatten wir in Istanbul.“, so Cecilia. Von dort sei es anschließend auf direktem Wege nach Leipzig gegangen.


Die Fünfzehnjährige besucht die Deutsche Schule in Singapur. Dort lebt sie seit 14 Jahren, ihr Vater arbeitet in Singapur im Außendienst für den deutschen Softwarehersteller SAP. Die Demokratiekonferenz ist für Cecilia eine schöne Möglichkeit ihre Heimat zu besuchen, aber nicht die Einzige im laufenden Jahr. „Einmal jährlich bin ich in Deutschland. Ein großer Teil meiner Familie lebt in Hamburg, meiner Geburststadt.“ Von dort geht es für Cecilia meist weiter in Richtung Ostsee. Dort hat die Familie ein Haus.

Mit 15 Jahren hat Cecilia Auslandserfahrungen sammeln können, die nur wenigen Jugendlichen in ihrem Alter vorbehalten sind. Neben Französisch und Englisch kann sie sich auf Chinesisch verständigen. „Meine Kindheit habe ich in einem chinesischen Kindergarten verbracht.“, berichtet sie.  Chinesisch  ist eine von vier Amtssprachen, die in Singapur gesprochen werden. 

Die weiteste Anreise – aber nicht die einzige internationale Teilnehmerin

Der Lärmpegel nimmt nun in immer größer werdenden Abständen zu, das Haus Leipzig füllt sich. Über 400 Jugendliche versammeln sich in der großen Festhalle, um den Auftakt der Jugendkonferenz zu verfolgen. Cecilia hat es sich am Rande der Bestuhlung auf einem umgedrehten Mülleimer gemütlich gemacht. Gemeinsam mit ihrem Mitschüler Felix – ebenfalls aus Singapur – sitzt sie neben anderen Auslandsschülern, die deutsche Schulen besuchen. Budapest und Brüssel sind die Herkunftsländer, auch zwei Jugendliche aus Den Haag sind dabei.

„Mein Schulleiter hatte die Idee mir die Möglichkeit der Teilnahme an der Jugendkonferenz zu geben“, sagt Cecilia und fügt hinzu: „Das Angebot habe ich natürlich sofort angenommen.“

Schnell stand für Cecilia fest den Workshop „Hiergeblieben – Vielfalt gestalten“ zu besuchen: „Ich bin davon überzeugt, in diesem Workshop meine Erfahrungen aus einem multikulturellen Land am besten unterbringen zu können.“ Cecilia wirkt enthusiastisch und möchte starten – jetzt und sofort!

Gebannt schaut sie zwischen die Zuschauerreihen. Prominenz naht von hinten, Bürgermeister Burkhard Jung ist im Anmarsch. Der Politiker der Sozialdemokratischen Partei (SPD) ist nicht pünktlich – für 15 Minuten Verzug hat er gesorgt. Zwanzig Minuten lang redet Jung über die Leipziger Willkommenskultur und die Herausforderungen einer Demokratie. Den jungen Teilnehmer wünscht er „viel Spaß beim Diskutieren“. Für Cecilia hat sich die Verspätung gelohnt: „Ich war begeistert von Burkhard Jungs Rede. Er hat glaubwürdig vermittelt, dass er uns – der Jugend – viel zutraut.“

Hitzige Diskussionen: Von „Lügenpresse“ bis zur gelingenden Integration

Cecilia und zehn andere Jugendliche haben Mülleimer umgedreht und sie zu einem Stuhlkreis angeordnet. Im Hintergrund ist es laut, „Hiergeblieben – Vielfalt genießen“ ist nicht der einzige Workshop, der in der riesigen Halle tagt. Gäbe es Feuermelder, sie würden Alarm schlagen. Die Köpfe der Jugendlichen rauchen, mit vollem Enthusiasmus diskutieren sie über lokale Themen. Auf der Liste stehen Themen, deren demokratischer Einfluss erst auf den zweiten Blick zu erschließen sind. Nachhaltiger Anbau etwa – ein Faktor, der besonders in Entwicklungsländern maßgeblich ist.

Auch Themen mit Konfliktpotential sind auf der Agenda. So führen die Jugendlichen Diskussionen  über den Einfluss von Medien auf unsere Gesellschaft – ein Thema, das besonders durch den Begriff der Lügenpresse an Bedeutung gewonnen hat.

In der kurzen Pause zwischen Vorstellungsrunde und einer ersten Arbeitsphase zieht Cecilia ein erstes Resümee ihres Workshops: „Der Workshop gefällt mir gut. Besonders die Ausgewogenheit von nationalen und internationalen Themen sorgt für Abwechslung“, so Cecilia. Während die ersten Minuten dem Gelingen und Misslingen der Integration von Ausländern in Leipzig behandelt hätten, habe das Thema Kultur die anschließende Debatte bestimmt: „Unser Ergebnis war, dass nicht nur Religion oder Herkunft in der Kultur eine Rolle spielen. Auch Musik, Tradition und sogar Sitten sind identitätsstiftend“, erläutert Cecilia die ersten Ergebnisse.

Doch Cecilia ist auch ein bisschen enttäuscht: „Es gab zu wenig Raum, von meinen eigenen Erfahrungen zu berichten.“ Schließlich habe Sie sich extra für diesen Worshop entschieden, da Singapur ein Musterbeispiel für das friedvolle Zusammenleben verschiedener Kulturen sei.

Und noch eine Kritik hat sie: „Das Thema Islam und Islamisierung hat bis jetzt zu viel Raum eingenommen. Das Thema ist wichtig. Es gibt aber auch noch Andere“.





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